RCDS und LHG Göttingen positionieren sich gegen die Umbenennung der Universität

RCDS und LHG Göttingen positionieren sich gegen die Umbenennung der Universität

In der Sitzung des Studierendenparlaments (StuPa) wurde auf Antrag der Gruppe Nerdcampus eine Umbenennung der Georg-August-Universität gefordert. Soll es nach der Meinung von Nerdcampus gehen, soll die Universität zukünftig „Emmy-Noether-Universität“ heißen.

Mit den Stimmen der am AStA beteiligten Gruppen sowie der ADF wurde der Antrag mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit angenommen. Dennoch wollen wir, LHG und RCDS, zu dieser Debatte Stellung beziehen.

Einleitend ist von uns deutlich festzustellen, dass der Grundgedanke sowie die grundsätzlichen Überlegungen hinter der Umbenennung der Universität gut und unzweifelhaft legitim sind. In einem Land, welches von zahlreichen bedeutenden Wissenschaftlerinnen sowie gesellschaftlichen Vordenkerinnen profitiert hat, erscheint es skandalös, dass keine deutsche Universität den Namen einer bedeutenden Wissenschaftlerin trägt. Die Diskussion über dieses Thema muss daher stattfinden. Wir sehen jedoch den konkreten Vorschlag der Umbenennung der Universität Göttingen in die „Emmy-Noether- Universität“ als rein symbolisch und somit seinen Zweck verfehlend an.

Hauptsächlich wurde seitens der Befürworter argumentiert, dass keine Universität in Deutschland einen weiblichen Namen trage und Göttingen somit einen wichtigen Schritt gehen und ein Zeichen setzen würde. Zu Beginn ist aber festzustellen, dass eben ein solcher Schritt einen gewaltigen und teuren bürokratischen Aufwand bedeutet. Göttingen, welches maßgeblich von der Universität geprägt wurde, müsste geradezu sämtliche Universitätsgebäude neubeschildern. Das wären Kosten, die man an anderer Stelle sinnvoller für die Bekämpfung von Sexismus einsetzen könnte.

Ferner sind die Argumentationen der Antragssteller teilweise nicht nachvollziehbar. Diese bedienen sich dabei mehreren Vergleichen der Leistungen, die Georg August II. und Emmy Noether für die Georg-August-Universität erbracht haben. Aus diesem Vergleich wird der Schluss gezogen, dass Frau Noether mehr für die Universität geleistet habe als Georg August II. Ein solchen Vergleich lehnen wir grundsätzlich ab. Es ist unmöglich solch unterschiedliche Leistungen pauschal miteinander zu vergleichen. Georg August II. hat als Begründer der Universität zu einer anderen Zeit andere Taten vollbracht, als Emilie Noether dies als Wissenschaftlerin tat. Dazu die Vorstände beider Hochschulgruppen: „Ein Vergleich der beiden Persönlichkeiten ist aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit einfach nicht sachgerecht.“

Dem Namen Georgia Augusta wird zudem eine besondere Bedeutung zu teil. Die Georg-August-Universität hat deutschlandweit und sogar weltweit unter diesem Namen eine Reputation. Durch eine Umbenennung würde man in einer unangemessenen Weise in die Geschichte und die Verdienste der Universität eingreifen. Zum anderen muss aber auch beachtet werden, dass der Name der Universität auf ihren Gründer Georg August II. zurück geht und somit nach ihrem Stifter benannt ist. Dies ist in Deutschland eine gängige Praxis, die insbesondere an Volluniversitäten eine wissenschaftlich neutrale Benennung ermöglicht.

Zudem stellt sich bei der Umbenennung der Universität Göttingen die Frage, weshalb gerade Noether als neue Namensgeberin herangezogen werden soll. Ohne Zweifel leistete Emmy Noether einen enormen Beitrag für die Mathematik. Jedoch studierte auch Dorothea Schlözer an der Georg-August Universität, welche als erste Frau in Deutschland zum Doktor der Philosophie promovierte. Auch Maria Goeppert-Mayer als Nobelpreisträgerin für Physik sowie Sofja Kowalewskaja als herausragende Mathematikerin auf ihrem Gebiet studierten in Göttingen. Es könnte nun ein weiterer Vergleich folgen, in welchem die Leistungen der unterschiedlichen Personen verglichen werden. Jedoch wäre dies anmaßend, die wissenschaftlichen Leistungen einzelner zu privilegieren oder zu degradieren. Diese Problematik wird aus dem Weg gegangen, wenn der Namensgeber gleichzeitig der Gründer der Universität und somit eine wissenschaftlich neutrale Persönlichkeit ist.

Dazu Nicole Witt, Vorsitzende der LHG Göttingen: „ Eine pauschale Umbenennung der Universität ist in diesem Bereich einfach nicht zielführend. Eine sinnvollere Maßnahme wäre z.B. die Benennung von neuen Einrichtungen und Gebäuden nach bedeutenden Frauen im entsprechenden Fachbereich, dies würde nicht nur die Aspekte der Parität und der Berechtigung der Namensgebung bedienen, sondern auch den bürokratischen Aufwand minimieren.“

Auch bezweifeln wir entgegen der Argumentation der Befürworter der Umbenennung, dass Studentinnen ihren Studienstandort gezielt nach dem Namen der Universität wählen. Bestehende strukturelle Probleme in Bezug auf eine mangelhafte Frauenförderung innerhalb der Universität werden sich auch nicht durch einen neu entwickelten Namen lösen lassen, sondern nur durch zielgerichtete und sachdienliche Maßnahmen.

Anna-Lena Lutz, die stellvertretende Vorsitzende des RCDS Göttingen erklärt: „Es kommt allein auf interne Strukturen, ergriffene Maßnahmen und eine innere Haltung gegenüber der Frauenförderung an. Durch die bloße Änderung des Namens ändert sich nicht automatisch die innere Überzeugung der Menschen. Es geht vielmehr um die Beseitigung von Barrieren, durch welche Frauen in der Vergangenheit stigmatisiert oder gar unterdrückt wurden. Wer glaubt, dass allein ein neuer Name tiefgreifende, strukturelle Probleme lösen kann, kratzt bestenfalls an der Oberfläche.“

Die Idee, die Universität umzubenennen, lehnen wir somit ab. Um das Erfolg- und einflussreiche Wirken von Akademikerinnen in der Wahrnehmung präsenter zu machen, könnte man die Überlegung anstellen, einzelne Bereiche der Universität umzubenennen. Der Nordcampus etwa könnte, zugeschnitten auf Noethers Fachrichtung, in „Emmy-Noether- Campus“ umbenannt werden.

Abschließend ist festzuhalten, dass die Idee der Stärkung von Frauenrechten eine wichtige und für unsere Gesellschaft unerlässliche ist. Jedoch ist die Umbenennung der Georg-August-Universität in die „Emmy-Noether-Universität“ nicht zweckdienlich und würde zu mehr Problemen führen, als es den Studenten nutzt.

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